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Die Vita Karoli Magni (bzw. Vita Karoli imperatoris) ist der Name der Biographie von Kaiser Karl dem Großen, die vom fränkischen Gelehrten Einhard im 9. Jh. verfaßt wurde. Es handelt sich um ein bedeutendes Werk der mittellateinischen Literatur aus der karolingischen Renaissance. [1] Sieht man von Paulus Diaconus und Martin von Troppau ab, so ist kein mittelalterliches Geschichtswerk in so zahlreichen Handschriften (mehr als 80) überliefert, wie die Vita Karoli, die nach Einhards Tod von Walahfrid Strabo in Kapitel geteilt und mit einem für Einhards Lebensgeschichte wertvollen Prolog versehen worden ist.

Beschreibung

Nach dem Tode Karls des Großen (814) hielt es Einhard für eine Pflicht der Treue und Dankbarkeit, ihm ein literarisches Denkmal zu setzen. Die Vita Karoli Magni wurde den Forschungen zufolge nicht sofort gleich nach des Kaisers Hinscheiden in Angriff genommen, sondern mit Sicherheit erst nach 817 ausgeführt, und vermutlich sogar erst in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre, da ihr Vorkommen in einem Reichenauer Bibliothekskatalog von 821, hinsichtlich des Datums wenigstens, keineswegs als gesichert gelten darf. Die erste sonstige Erwähnung fällt spätestens in das Jahr 836.

Erster Teil

Für die Beurteilung des verhältnismäßig kurzen Werkes wird man sich stets an die Eingangsworte Einhards halten müssen, er wolle Leben und Wandel und zum nicht geringen Teil auch die Taten Karls niederschreiben. Da er die Taten, obwohl sie die erste Hälfte des Büchleins füllen, nicht vorab nennt, so sind sie für ihn nicht Hauptthema. Fast alle Vorwürfe aber, die von Forschern gegen seine historiographische Arbeitsweise erhoben sind, richten sich eben gegen diesen Teil.

Einhard entnahm seinen Stoff dazu, soweit er ihn nicht (wie z. B. bei der Erzählung vom Untergang Rolands in c. 9) aus besonderer Kenntnis ergänzte, im Wesentlichen ihm vorliegenden Annalen (insbesondere der fälschlich unter seinem Namen gehenden Überarbeitung der Reichsannalen oder noch wahrscheinlicher einem dieser zugrunde liegenden verlorenen Werke bis 805, das auch als Chronik von St. Denis bezeichnet wird). Indem er seine Exzerpte daraus literarisch ausgestaltete, hat er sich nach der strengen Prüfung der Forscher sachlich manche Ungenauigkeiten, Mißverständnisse und irrige Erweiterungen zu Schulden kommen lassen. Ist danach sein Anspruch auf Genauigkeit der Arbeit auch nicht allzu groß, so treten doch hier schon Auswahl und Gruppierung des Stoffes für seine Zeit bedeutend genug hervor.

Zweiter Teil

Aber erst das in der zweiten Hälfte der Vita behandelte Hauptthema: Leben und Wandel des großen Kaisers verlieh ihr ihren unvergänglich hohen Wert, denn hier erst berichtet Einhard, der auch von den späteren Feldzügen Karls kaum einen einzigen mitgemacht hat, als Augenzeuge aus dem reichen Schatz einer vieljährigen vertrauten Erfahrung, als lebhafter und nüchterner, liebevoller und wahrheitsgetreuer Beobachter. Er formt seinen Stoff als ein sorgfältig und geschmackvoll ziselierender Künstler und bleibt trotz der Eleganz der Sprache stets auf das Sachliche gerichtet. Auch verschleiert er nicht das allzu Menschliche seines Helden, steht überall mit feinem Urteil über dem Stoff und verknüpft die Einzelheiten ursächlich.

Allerdings wird hier ein anderer Vorwurf gegen ihn erhoben. Weil Einhard, der sich auch sonst eifrig an den Schriften der Alten bildete und auch Griechisch verstand, seinem Werk eine Anzahl von Biographien des römischen Schriftstellers Sueton (um 70-122), vor allem diejenigen des Augustus und Titus, als Muster für Anordnung, Fragestellung, und Phrasenschatz weitgehend zu Grunde legte, so soll Karls Bild einigermaßen verunechtet, seine Originalität getrübt sein, der germanische Volkskönig im Gewand des römischen Imperators erscheinen.

Diese Meinung trifft allerdings nur insofern zu, als die Fremdsprache an sich eine gewisse Unfreiheit und Trübung bedingt. Sofern sie mehr sagen wollte, würde sie zu sehr vom absoluten Standpunkt, zu wenig aus den zeitlichen Bedingtheiten heraus urteilen. In einer Epoche, in der es selbst dem schärfsten Beobachter so gut wie nicht gegeben war, ein freies, tiefgreifendes und vielseitiges Bild mitlebender Persönlichkeiten im antiken oder modernen Sinne zu entwerfen, war es ein ungewöhnlich gescheidter Gedanke, Muster einer Zeit ungebundeneren Geistes zur Anregung, Erweiterung und Ordnung der eigenen Beobachtungsgabe zu verwerten. Und nur so hat Einhard sie verwertet.

Aufbau nach antikem Vorbild

Nirgends hat er die von ihm gesehene Wirklichkeit auch nur im geringsten entstellt, selbst übernommene Suetonsche Phrasen sind so sorgfältig abgewandelt oder in ihr Gegenteil verkehrt, dass man gerade aus dem Vergleich von Vorlage und Text noch kleine Züge zur Schilderung des Kaisers gewinnen kann, die bei der Lektüre der Vita allein nicht so hervortreten würden (bspw., dass Karl sich nicht selbst anzukleiden pflegte, was aus dem amiciretur in c. 24 allein nicht sicher zu entnehmen wäre, aber aus der Abänderung der entsprechenden Stelle bei Sueton „ipse sese amiciebat" deutlich wird). Man mag bedauern, dass die Suetonschen Kategorien nicht noch vielfältiger waren, dass sie für gewisse Seiten des mittelalterlichen Lebens (z. B. die bei Einhard arg zu kurz kommende Kirchenpolitik Karls oder seine ausgedehnte ländliche Wirtschaftsfürsorge) keine Anregungen bieten konnten.

Aber dass das Bild Karls, des gealterten kaiserlichen Herrschers, der ja nicht mehr bloßer germanischer Volkskönig war, durch die Benutzung jener Kategorien und Phrasen in irgendeinem literarischen Zuge entstellt sei, dass es inhaltlich auch nur entfernt wie das eines altrömischen Imperators anmute, kann man unmöglich behaupten. Andernfalls würde Einhard wohl auch nicht so wertvollen historischen Stoff für die germanische Altertumskunde im eigentlichsten Sinne überliefert haben, wie er es in c. 29 tut, wo er von Karls Rechtskodifikation, der Aufzeichnung alter Heldenlieder, dem Versuch einer deutschen Grammatik und der deutschen Namengebung für Monate und Winde berichtet.

Jene Suetonschen Vorbilder haben nur gefördert, nirgends geschadet, ihre Benutzung war für Einhard ein heuristisches Prinzip allerersten Ranges, wie es in jener Zeit nicht besser zu finden war. Erst in der Renaissance unter der Einwirkung wiederum der Antike wurde dergleichen entbehrlich. Für Einhard trug es wesentlich dazu bei, die Überlegenheit seiner Biographie über alle anderen des Mittelalters zu begründen. Natürlich spielt dabei auch die reiche und gewaltige Persönlichkeit seines Helden eine gewichtige Rolle; kaum ein anderer bot solchen Stoff! Aber umgekehrt verdankt doch auch Karl der Große seinem Biographen ein guten Teil seiner ungeheuren, nie versiegenden Popularität in Mittelalter und Neuzeit..

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Vita Karoli Magni

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