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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 08. Juni 2014 als Spotlight vorgestellt.

„Ich bin ein Weber zu Leinen Wat, Kan wircken Barchent vnd Sponat,
Tischthücher / Handzwehl / Facilet, Vnd wer lust zu Bettziechen hett,
Gewürffelt oder Kamaca, Allerley gmödelt Thücher da,
Auch Flechsen vnd wircken Haußthuch, Die Kunst ich bey Aragnes such.“

Hans Sachs: Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden: Der Weber [1]

Die Technik des Webens geht aus der des Flechtens hervor. Solche geflochtenen Stoffe fand man bereits in den neolithischen Pfahlbauten der Schweiz, und zwar in so tadelloser Ausführung, dass nur Fächleute sie von gewobenen unterscheiden konnten. - Ein Zeichen also für die hohe Stufe der Vollendung dieser Technik bereits in jener Jungsteinzeit in Mitteleuropa (5500 bis 2200 v. Chr.)

Etymologie

Auch die Sprache bewahrt die Erinnerung an das Verhältnis vom Flechten zum Weben:

  • got. gawidan, ahd. wetan - 'binden', mhd. weten - 'flechten'
  • ahd. wát, giwáti - 'Kleidung', mhd. spinnewet - 'Spinnewebe'.

Auch Wand und Gewand haben ursprünglich die gleiche Bedeutung: 'Flechtwerk, Webestück'.

Geschichte

Die Funde der Schweizer Pfahlbauten (ca. 5. bis 1. Jahrtausend v. Chr.) beweisen, dass sich der Entwicktungsprozess vom Flechten zum Weben auf einem Webstuhl dort bereits in früher neolithischer Zeit vollzogen hatte. Eine große Anzahl von Webegewichten aus Ton oder Stein, teils kugelförmig, teils in Form einer abgestumpften Pyramide, die dort, wie auch in Süd- und Norddeuschland (in Skandinavien so früh bisher nicht nachgewiesen) häufig gefunden wurden, sind neben einigen Webeschiffchen allerdings meist einzigen gesicherten Reste eines alten Webstuhls.

Weber Ständebuch Jost Amman

Ständebuch Hans Sach: Der Weber (Frankfurt a.M. 1568)

Das Material, das zum Weben benutzt wurde, war fast ausschließlich Flachs oder Wolle. Und zwar überwiegt in der neolithischen Zeit im Süden, den Schweizer Pfahlbauten, der Flachs derart, dass dort bisher so gut wie kein Wollgewebe nachgewiesen werden konnten, während in Norddeutschland und Skandinavien hauptsächlich Wolle von braunen und schwarzen Schafen, selten von weißen, verarbeitet wurde. Auch Gewebe mit Fransen und Quastenfransen, façoniertes und Dickstoffgewebe wurden aus dieser Periode gefunden. In Nordeuropa erhielten die gröberen Stoffe zuweilen einen Zusatz Von Hirsch- oder Rinderhaaren. Eine Kukulle und Umhang aus Ziegenhaaren wird später noch von Gregor von Tours (Historia Francorum 9, 6: "cucullam ac tonicam de pilis caprarum") erwähnt. Aus den neolithischen Pfahlbauten der Schweiz sind schlichte oder leinwandbindige und Köpergewebe, aus der nordischen Bronzezeit nur die ersteren bekannt. Bei diesen wurden, um eine größere Haltbarkeit der Stoffe zu erzielen, die Fäden der Kette und die des Einschlags in verschiedene Richtungen gedreht.

Antike / Spätantike

Bei den Römern findet sich in Anlehnung an die griechische Kultur die gleiche Benutzung von Prachtstoffen des Orients, deren Einfuhr in der römischen Kaiserzeit (1 bis 375 n. Chr.) ihren Höhepunkt erreichte; darunter auch Gewänder aus chinesischer Seide, die gewebt aus Vorderasien, vielleicht auch schon fertig aus China eingeführt wurden. Im 6. Jh. tritt Byzanz mit seinen Kunstwebereien in den Vordergrund, wozu die Einführung der Seidenraupenzucht von Persien her (552) beiträgt; die Hoffabriken Justinians wurden erweitert, man ahmte persisch-sasanidische Muster nach. Auf abendländischer Kultur beruhend, entstanden hier auch während der ersten Jahrhunderte n. Chr. selbständige Gewebemuster, die den Fußböden und Wandbekleidungen in Mosaik gleichen: unter anderm figürliche Darstellungen in Anlehnung an Zirkusspiele, die sich zu Rundbildern vereinigen; auch der sog. Dioskurenstoff aus der Servatiuskirche in Maastricht (Tafel, Fig. 2) ist ein Erzeugnis byzantinischer Kunstweberei dieser Zeit.

Völkerwanderungszeit

Im Laufe der Zeit nahm die Webefertigkeit auch in Mittel- u. Nordeuropa almählich zu, so dass während der Völkerwanderungszeit außer schlichten Geweben und Köper auch Drell begegnet und die Gewebe im allgemeinen eine größere Feinheit besitzen. Auch Flanell-ähnlich gerauhte Stoffe kamen ab dieser Zeit vor. Wollstoffe, die mit Bronze- oder Goldfäden durchwirkt waren, kennt bereits die Bronzezeit. Eine Beeinflussung und Förderung der Webekunst von außen her ist in der vorkarolingischen Zeit kaum anzunehmen, da fremde Ausdrücke für die Arbeit des Spinnens und Webens (ahd. weban, ags. wefan, anord. vefa) wenigstens in den Hauptsachen fehlen.

Frühmittelalter

Zur Ende der Völkerwanderungszeit und zu Beginn des Frühmittelalters begann die Hausweberei sich landschaftlich zu einem förmlichen Gewerbe mit ausgedehntem Handel auszubilden. Im Jahre 764 schickte Abt Guthbert von Wirmuth an Erzbischof Lullus von Mainz englisches Tuch als Geschenk und friesische Tuche wurden sogar als Geschenke für fremde Herrscher ausgewählt.

Hochmittelalter

Bis in das 12. Jh. hinein blieb in Südeuropa das orientalische Element beim Weben vorherrschend: Kreise und andre geometrische Felder umschließen paarweise gegeneinander stehende Tiergestalten, Löwen, Greifen, Adler, letztere ohne heraldische Bedeutung; dazwischen Sterne oder zeitgemäßes Füllornament, das bisweilen an chinesische und indische Überlieferungen erinnert. Mittelalterliche Seidenstoffe mit vorwiegend geometrischen Mustern stammen aus Spanien, wo der Islam die Formensprache der Fläche am meisten beherrschte, wie in Sizilien, wohin durch die Herrschaft der Normannen unter Roger II. um 1140 die Kunstweberei der Sarazenen überführt und den italienischen Christen zugänglich gemacht wurde. In der bedeutendsten Weberwerkstatt (Hôtel de Thîraz) in Palermo wurden unter anderen Prachtstoffen auch die Kaiserornate des Deutschen Reiches (s. Reichskleinodien) hergestellt.

Spätmittelalter

Im 13. und 14. Jahrh. entstanden Seidenwebereien in Lucca, Venedig, Florenz, Genua, Mailand, zum Teil mit orientalischen Arbeitern; die Muster erfuhren völlige Umgestaltung durch Aufhebung der Felderteilung, es entstanden freie, in Reihen abwechselnde Anordnung pflanzlicher Motive zwischen Menschen- und Tiergestalten in symbolischer Bedeutung und reizvoller Stilisierung, die auf einer Vereinigung von abend- und morgenländischen Motiven beruht und daher allgemein arabisch-italisch bezeichnet wird. Die Farbengebung war vorwiegend rot und grün, dazwischen einzelne Teile des Musters oder durchgehende horizontale Streifen mit Gold broschiert. Hauptsächlichste Verwendung fanden solche Stoffe für kirchliche Zwecke; aber auch für weltlichen Luxus standen andere erst zu Gebote, als im 15. Jh. mit der vollen künstlerischen Entfaltung des Samts das Granatapfelmuster die Flächen der Weberei vollkommen beherrschte, im einzelnen ohne Unterschied des Gebrauchs für Gewänder oder Tapeten, der erst durch die im 16. Jh. in Mode kommende spanische Tracht eintrat, die infolge ihrer engen Fältelung kleinere Muster bedingte.

Renaissance

Für größere Flächen schuf die Renaissancezeit die verschiedenartigste Ausbildung des Granatapfelmotivs an Vasen und in Sträußen, in Verbindung mit orientalischen Schnittblumen (Nelken und Tulpen), die in spitz-ovalen Feldern erscheinen, daneben reichliche Anwendung von Akanthus bis ins 17. Jh. hinein; für Trachtenstoffe kleinere Streumuster, vorherrschend in italienischen Erzeugnissen.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden... (Wikisource). Hans Sachs. Holzschnitte von Jost Amman. Frankfurt am Main, 1586.

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