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Westgoten

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Die Westgoten (Wisigoth) waren ein Teilstamm der Goten. Sie gingen aus dem gotischen Volk der Thervingen ('Waldleute') hervor und bestanden als Westgoten vom Anfang des 5. Jahrhunderts bis zum Anfang des 8. Jahrhunderts.

Geschichte

Nach Auseinandersetzungen mit dem römischen Reich in Südosteuropa in der ersten Hälfte des 3. Jhs. spalteten sich die Goten in die Greutungen (später Ostgoten) und die Thervingen (später Westgoten). Die Thervingen wurden 376 n. Chr. in das römische Reich aufgenommen und als Verbündete betrachtet. Doch nachdem es zwischen ihnen und Rom zu Spannungen gekommen war, zogen sie unter dem Gotenkönig Athaulf ins Gebiet von Südgallien und gründeten dort (nun als Westgoten) 418 das Westgotenreich.

Geschichtsschreibung

Die Westgoten in Spanien und Südfrankreich bildeten unter der noch immer reichen antiken Kultur und vorherrschender Beteiligung der römischen Provinzialen eine recht ausgeprägte Geschichtsschreibung aus. Die Anfänge bildeten hier die spätantiken Werke von Paulus Orosius (um 385-418), Prosper Tiro von Aquitanien (um 390-455) und des Hydatius von Aquae Flaviae († um 469), die jedoch nur stofflich in Beziehung zu den Westgoten stehen. Die Chronik des afrikanischen Bischofs Viktor von Tunnuna († ca. 570) wurde jedoch bereits von einem Westgoten, Johannes von Biclaro († ca. 620), bis 590 fortgesetzt.

Die Bekehrung der Westgoten unter König Rekkared I. († 601) schloß den zwischen den Volksteilen des westgotischen Staatswesens klaffenden Riß. In den Jahren 612 bis 620 griff selbst ein König, Sisebut († 621), in katholischem Eifer zur Feder, um das Leben und den Märtyrertod des Bischofs Desiderius von Vienne († um 606) voll Abscheu gegen die fränkische Königin Brunichild (um 545-613) und ihren Enkel Theuderich II. zu erzählen. [1] Aus dem Kreis der römischen Provinzialen gab Bischof Isidor von Sevilla (um 560-636) den Westgoten eine zwar knappe, aber zuverlässige Königsgeschichte, die bis 624 reichte, und die zugleich auch kurze Überblicke über die der Vandalen und Sueven gab ("Historia (de regibus) Gotorum, Vandalorum et Suevorum").

Doch das alles beherrschende theologische Interesse in Spanien drückte auch auf die Geschichtsschreibung, die sich nicht mehr recht fortentwickelte. Erst die außerordentlich lebhafte und zuverlässige Darstellung über den Heereszug des Königs Wamba († 681/683) gegen den aufständischen Herzog Paulus von 673 zeigte sich wieder in völlig antiker Art. Der begabte Verfasser war der spätere Bischof Julian von Toledo (um 652-690), ein Mann von, wie es scheint, jüdischer Abstammung [2]. Eine Generation später brach das Westgotenreich zusammen (s.a. Geschichtsschreibung der Spätantike und Völkerwanderungszeit: Westgoten). [3]

Jahreszählung

Außergewöhnlich war die Jahreszählung der Westgoten in Spanien, die ihre Jahre vom 1. Januar 38 v. Chr. an zählen und ihnen das Wort Era vorsetzen. Der Ursprung dieser Zählungsweise ist unbekannt; von ihr wurde auch der Name Ära auf jede ununterbrochene Reihenfolge von Jahren übertragen, die von einem bestimmten Zeitpunkt ihren Anfang nimmt und deren einzelne Jahre von diesem ab gezählt werden. Nachweisbar ist die spanische Ära seit der zweiten Hälfte des 5. Jhds. Sie kommt außerhalb der pyrenäischen Halbinsel im vandalischen Afrika und in den ehemals westgotischen und arabischen Teilen Von Südfrankreich Vor. Abgeschafft und durch die christliche ersetzt wurde sie in Arragonien 1349, in Valencia 1358, in Castilien 1388, in Portugal 1422. [4]

Territorium

Das Territorium der Westgoten befand sich seit 376 n. Chr. im römischen Reichsgebiet als römisch-germanischer Mischstaat. Das Reich in Südrußland (Dnestr) wurde im Ansturm der Hunnen zerstört. Ein Aufstand wurde noch 382 unterdrückt, aber 395 unter König Alarich erneuert. 401 begann der Zug nach Italien. 410 wurde Rom erobert. 418 kam es in Südgallien zur Bildung des Westgotenreiches mit der Hauptstadt Toulouse. Die ausdehnende Besiedlung unter König Eurich (466-484) u. die Niederlage gegen die Franken 507 bei Vouillè, brachte die Verlagerung auf die Iberische Halbinsel mit der Hauptstadt Toledo. Unter den Schlägen der Mauren begann um 711 der Zerfall des Westgotenreiches.

Quellen

Einzelnachweise

  1. MGH. SS rer. Merov., III 620 ff.
  2. Historia Wambae regis in MHG. SS rer. Merov. V 486 ff.
  3. Hoops, RdgA. aaO. Bd. II, S. 205 ff. Art. Geschichtsschreibung
  4. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 486 § 9. Art. Jahreszählung

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