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Crystal keditbookmarks.png Dieser Artikel wurde am 16. Mai 2017 als Spotlight vorgestellt.

Der Zauber stand im Mittelalter mit dem Volksglauben in sehr engen Zusammenhang, so dass beide oft gar nicht voneinander getrennt werden können. Doch der Glaube an Magie und die mit ihr verbundene Zauberei ist so alt wie die Menschheit selbst und erscheint in allen Kulturen.

Beschreibung

Der Zauber gilt als der in Handlung umgesetzte Aberglaube, der in der Annahme von der Zauberkraft der Dinge beruht. So hatten die Menschen schon lange im Altertum und weit bis über das eigentliche Mittelalter hinaus nicht nur die Überzeugung, dass den Dingen um sie herum, eine Zauberkraft innewohne, sondern sie besaßen ebenso den Glauben an den Zauberer, d. h. an Personen, die die magische Kraft der Dinge beeinflussen und sie zum Vorteil oder Nachteil ihrer Mitmenschen verwerten konnten (z.B. Hexen).

Beide gemeinsam, Volksglaube und Zauber, bildeten somit die grundlegende Schicht religiöser Äußerung, sowohl in Vorstellung und Wort, als auch in der Handlung. Nur ist die Vorstellung im Volksglauben viel umfassender als die eigentlich Praxis des Zaubers, so wie auch der Glaube an Gottheiten viel umfassender ist als ihr Kult.

Arten

Zu den verschiedenen Arten von Zauberei gehören u.a.:

Eng mit der Zauberei und dem Glauben an Magie verbunden ist die Vorstellung von der beseelten Natur der Dinge, die sich z.B. im Volksglauben um Baum-, Berg-, Feuer-, Quellen-, Stein- oder Sonnenkulte ausdrückt. Außerdem spielt die Annahme von übernatürlichen und jenseitigen Wesenheiten mit hinein, wie sie sich z.B. im Ahnen- und Heiligenkult äußert oder im Glauben an eine Erdenmutter, den Grünen Mann, Dämonen, Geister und Gottheiten offenbahrte.

Überlieferungen

Aus der älteren westgermanischen Literatur erfährt man kaum konkrete Beispiele für aktive Zauber, jedoch werden sie in den Bußordnungen genannt. Aus diesen Gesetzestexten kann man auf die Praxis und Anerkennung von Zauberei im Volk schließen, und dass diese Gabe besonders den Frauen zugesprochen wurde. Die nordische Literatur bietet dagegen reichlich Beispiele für Zauberei. Wie bei den Westgermanen lag auch bei den Nordgermanen die Fähigkeit zur Zauberei vor allem in den Händen der Frauen, auch wenn vielfach männliche Zauberer erwähnt werden.

Ursprünge und Verhältnis zur Religion

Die Frage über den Ursprung des Zauberglaubens und sein Verhältnis zur Religion ist viel diskutiert. Eine These besagt, dass der Glaube an Zauberei weder in der Religion wurzelte, noch die Religion im Zauberglauben, sondern sich die Vorstellung von Zauberei aus dem Bestreben entwickelte, durch einfache Handlung die Erfüllung eines Wunsches zu erreichen. Vielfach bediente sich aber der Zauberer der Macht, die der Mensch in Wesen und Dingen wähnte und vor der er sich beugte, um sie zu persönlichen Zwecken zu benutzen.

In der menschlichen Scheu und Ehrfurcht vor der Macht der Umwelt lag aber wohl auch die Wurzel der Religion, und so steht der Zauber indirekt mit dieser in Verbindung, indem ihre übernatürliche oder jenseitig geglaubte Quelle zu persönlichen Zwecken genutzt wird und der Zauberer sie seinem Willen gefügig machen möchte. Wird eine Zauberhandlung nun von der Allgemeinheit oder wenigstens zu deren Vorteil geübt, so wird diese zur rituellen Handlung und verkettet sich dadurch auch direkt mit der Religion.

Zauberer und Zauberbegabte

Ursprünglich konnte der Zauber von jedermann geübt werden. Dieser allgemeine Zauber erhielt sich im Gebrauch von Amuletten, vielfach in Wetterriten, Fruchtbarkeitsriten, im Liebes- und Heilzauber u.s.w. Aber aus der Allgemeinheit sonderte sich schon sehr bald eine Klasse von Leuten ab, die eine besondere Macht in sich wähnten, durch diese die Macht der Dinge zu beherrschen vorgaben und ihre Mitmenschen von dieser ihnen innewohnenden Kraft zu überzeugen wussten.

Zu diesen Zauberbegabten gehören u.a. Druiden, Goden, Schamanen oder auch Priester verschiedener Religionen. Dabei bedienten sie sich besonderer Mittel und Kunstgriffe. Diese Zauberer findet man bei allen Völkern. In Nordeuropa hießen sie seiðmenn, -konur und galdramenn. Zu ihnen gehörten auch die völur, die Wölven, die sich von den allgemeinen Zauberern dadurch unterschieden, dass sie Zauberei zu bestimmtem Zwecken anwendeten: z.B. zur Bannung von Toten, um von ihnen die Zukunft oder ferne Dinge zu erfahren.

Ihre Kunst gebrauchten Zauberer entweder zum Nutzen oder Schaden ihrer Mitmenschen. Die Mittel dabei waren in beiden Fällen die gleichen. Einen Unterschied zwischen weißer und schwarzer Magie, wie er bei den orientalischen Völkern begegnet, kannten die Germanen allerdings nicht; ebensowenig den Umgang mit bösen Geistern beim Zauber. Die Handlung selbst hieß in Nordeuropa Seiðr oder galdr, das seiner Etymologie nach ursprünglich nur für das Zauberlied gebraucht wurde. Daneben begegnet fjölkyngi und gerningar für Zauberei. Die Tätigkeit bezeichnet seiða oder síða, fremja oder efla seið, gera galdra u.ä.

Von gewerbsmäßigen Zauberern nahm man allgemein an, dass sie ihre Tätigkeit auch nach dem Tode fortsetzten und als Spukgeister Unheil über ihre Mitmenschen brachten. Daher wurden sie im Grabe vielfach gepfählt oder ihr Körper wurde verbrannt und die Asche zerstreut (s.a. Spuk).

Lappen

Mehrfach stand die Zauberei in Skandinavien unter dem Einfluss der Lappen. Sie galten als die Zauberer schlechthin. So ist überliefert, dass die Nordgermanen zu ihnen gingen, um die Kunst des Zauberns zu lernen und sie wendeten sich an die Lappen in besonders wichtigen Angelegenheiten, bei denen sie durch Zauber zu ihrem Ziel gelangen wollten. Daher verboten christliche Gesetze, an die Lappen zu glauben oder zu ihnen zu gehen [1]. So verschmolzen in Nordeuropa lappische Zauberhandlungen mit den germanischen Bräuchen.

Gottheiten

Bei den Germanen galt in der letzten Zeit des Heidentums Odin (bzw. Wodan) als Gott des Zaubers. Er brachte diesen Wesenszug bei der Verbreitung seines Kultes nach Nordeuropa mit, da auch südgermanische und angelsächsische Quellen darüber berichten. In der eddischen Dichtung begegnet er als Vater des Zaubers, Erfinder und Lehrmeister der Zauberrunen, lehrt Zaubersprüche, trieb Liebeszauber auf Sámsey und raubte durch eine Zauberrute Hlébard den Verstand.

Was Snorri in der Heimskringla von ihm erzählte, galt von Zauberern im Allgemeinen. Danach blendete er im Kampf die Feinde oder machte sie taub und ihre Waffen unschädlich. Er wechselte die Gestalt, und während sein Körper wie tot lag, war er Vogel oder vierfüßiges Tier, Fisch oder Schlange und fuhr in kürzester Zeit durch alle Lande. Er löschte Feuer, beruhigte das Meer und lenkte die Winde nach Belieben. Er weckte die Toten und unterhielt sich mit ihnen. Alle diese Künste verdankte er den Runen (s. Runenzauber) und den Zauberliedern (galdrar).

Zauberei als Verbrechen

Als Zauberei fassten die Germanen eine Reihe von Verbrechen zusammen, die als Schadenstiftungen unter Benutzung übernatürlicher Kräfte bezeichnet werden können. In erster Linie gehörte hierher das Geben von Gift und die Vergiftung (aschwed. forgörning, adän. forgaerning, lat., wie die Zauberei überhaupt, maleficium). Diese Verbrechen wurden mit dem Tod des Zauberers oder - bei leichteren Fällen - mit Wergeld gebüßt.

Entstand der Allgemeinheit durch einen Zauber Schaden, so wurde er wie überall auch in heidnisch-germanischer Zeit verfolgt, wobei jeder den ihm persönlich nachteiligen Zauber rächen konnte. So ließ z.B. der norwegische König Haraldr hárfagri (852-933) ganze 80 Zauberer, darunter sogar seinen eigenen Sohn, verbrennen, und auf Island wurden schadenbringende Zauberinnen mehrfach gesteinigt oder ertränkt. Überhaupt hielt man vielfach den Zauber nicht für eine des Mannes würdige Beschäftigung, weshalb er hauptsächlich in den Händen der Frauen lag.

Auch verschiedene Arten der "Hexerei" (wnord. fordaeðuskapr, trolldómr, ags. lyblác) gehörten zur Zauberei, darunter z.B. die Wahrsagerei, Kannibalismus, das Wettermachen, die Abtreibung oder das Verabreichen von Tränken zur Vernichtung der Fruchtbarkeit. Die Hexe wurde in schwereren Fällen mit dem Tode, insbesondere Verbrennen bestraft, oder mit Verknechtung, in leichteren mit Buße. [2]

Zauberhandlung und Zaubermittel

Das etymologisch unsichere Wort Zauber (ahd. zoubar) entspricht anord. taufr n. pl. das aber nicht die Zauberhandlung, sondern die 'Zaubermittel' bezeichnet. Leute, die Zauberei als Hauptbeschäftigung ausübten, wie man sie in der letzten Zeit des Heidentums bei den Nordgermanen findet, scheint es in der ältesten Zeit nicht gegeben zu haben. Dagegen uralt und allgemein verbreitet ist, dass man gewissen Dingen eine besondere Macht, einen Zaubergehalt zuschreibt und diesen zur Abwehr eines Übels oder zur Erlangung eines Nutzens Verwertet (passiver Zauber).

Außer durch Zaubersprüche, Zeichen (wie z.B. Runenzauber) und feierliche Handlungen (z.B. dem Seidr) konnten Zauber auch auf andere Weise geübt werden. So durch gewisse Speisen und Getränke, durch Pflanzen, Kräuter und Steine, denen man besondere Kraft zuschrieb, Vor allem aber wohnte Menschen, die mit dem Bösen Blick behaftet waren, Zauberkraft inne, die sie zum Nachteil ihrer Mitmenschen gebrauchten.

Amulette

In der Vorstellung über die innewohnende Zauberkraft von Gegenständen wurzelt auch der Gebrauch der Amulette, die als magisches Schutzmittel vor schadenbringenden Mächten gelten. Dazu gehört z.B. von den frühesten Zeiten an der Donnerkeil. Später kamen unter römischem Einfluss Brakteaten mit ihren heiligen Zeichen auf, und mit dem Christentum wurden heilige Blättchen eingeführt, sowie die Schutzbriefe, die schon um 1000 in Nordeuropa begegnen [3].

Fruchtbarkeitszauber

Fruchtbarkeitszauber begegnen vielfach als persönliche oder allgemeine rituelle Handlung. Dazu gehört u.a. die Errichtung der heiligen weißen Steine, der Stenkloten, durch die man die Erde fruchtbar machen wollte (Phallusdienst). Durch Vergraben von Eiern in die Erde wollte man deren frisches Leben auf diese übertragen, was im 12. Jh. die kirchliche benedictio ovorum (Eiersegnung) veranlasste und sich im Volksbrauch bis zur Gegenwart erhalten hat. Aus alter Zeit stammt ebenso der Schlag mit der Lebensrute: mit einer Rute mit frischer Triebkraft pflegte man Felder, Bäume, Menschen und Tiere zu schlagen, damit die Triebkraft auf diese übergehe und fruchtbar mache [4].

Heilzauber

Verschiedener, zauberischer Handlungen bediente man sich zur Heilung von Krankheiten bei Menschen und Tieren. Man zog die kranken Geschöpfe durch hohle Bäume oder durch Erdgruben [5], was im Verpflöcken von Gegenständen, die der Kranke an sich hatte, fortlebt, oder man bildete die kranken Körperteile nach und legte sie an geweihten Orten nieder. Auch dieser Brauch erhielt sich besonders in katholischen Gegenden bis zur Gegenwart.

Runenzauber

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Runenzauber

Der Runenzauber spielte in Nordeuropa neben dem Spruchzauber eine wichtige Rolle. Ob man sich vor Einführung der Runen schon bestimmter Zeichen zum Zaubern bediente, wie sie in den späteren Hausmarken vorliegen, lässt sich allerdings nicht sagen. Wahrscheinlich aber kam der Brauch erst mit dem Runenfuthark auf, da er auffallend mit dem antiken Buchstabenzauber übereinstimmt [6]. Auch scheint das Wort rúnú, das dem deutschen 'Geraune' entspricht, ursprünglich den Zauberspruch bezeichnet zu haben und wurde erst später auf das Zauberzeichen übertragen, als man sich dessen neben dem Spruch vermehrt bediente.

Übertragungszauber

In das Gebiet der schädigenden Zauber gehören Übertragungszauber, wie z.B. der Bildzauber. Dabei wurde das Bild des Menschen oder eine Gestalt, in dem man diesen wähnte, als der Mensch selbst angesehen, und was mit seinem Bilde vorgenommen wurde, sollte mit diesem geschehen. Ein Glaube, der ebenfalls fast bei allen Völkern nachweisbar ist. Selbst Verwandte konnte solch ein Zauber entzweien. Gleiches gilt vom Namen beim sog. Namenszauber. Der Name stand für die Person, die ihn trug, und die Verwünschung des Namens wurde zur Verwünschung der Person. Daher verheimlichte z.B. Sigurd der Drachentöter aus der Völsungensaga dem zu Tode verwundeten Fafnir seinen Namen.

Wetterzauber

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"Wetterzauber" über Kreta (Griechenland)

Zu den ältesten Zauberhandlungen gehört der Wetterzauber. Man bediente sich dabei des Bildes oder eines anderen Stellvertreters des Dinges, dessen Macht man zum Nutzen der Menschen beeinflussen wollte. Die frühesten Zeugnisse in Mittel- und Nordeuropa sind dabei die Sonnenräder in den Felsenzeichnungen aus der nordischen Bronzezeit (vgl. Sonnenkult).

Auch der über die ganze Erde verbreitete Regenzauber ist bei den Germanen zur römischen Eisenzeit nachweisbar. Die sog. Regensteine, die man mit Wasser begoss oder ins Wasser tauchte, um dadurch den für das Gedeihen der Feldfrüchte notwendigen Regen zu erlangen, spielten auch im Mittelalter noch eine bedeutende Rolle.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. trúa á Finna, fara til Finna, gera finnfarar s. Fritzner, Norsk Historisk Tidsskrift. Bd. IV, S. 160 ff.
  2. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 582 (Art. Zauberei)
  3. Fornmanna-Sögur II 147
  4. Wald- und Feldkulte (Internet Archive). Johann Wilhelm E . Mannhardt. 2 Bände. Berlin 1875-77. Bd. I, S. 251 ff.
  5. Deutsche Mythologie (Internet Archive). 3 Bände. Jacob Grimm. 4. Aufl. von E. H. Meyer. Berlin, F. Dümmler, 1875. Bd. III, S. 402
  6. s. M. Olsen, Om Troldruner. Fordomtima II, 191 7

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