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Zauberlieder gehören neben den Zaubersprüchen überall zu den uralten Gattungen der Dichtkunst. Gesungen wurde bei Opfermahlzeiten zu Ehren der Götter und Toten, ebenso wie bei den Gastmählern zu Ehren der Helden.

Beschreibung

Genau wie Zaubersprüche fanden auch Zauberlieder beim Zauber Verwendung und wurden beim Herbeirufen der Geister in feierlicher Weise vorgetragen. Dass diese Gesänge schon in vorgeschichtlicher Zeit eine bestimmte dichterische Form besaßen, ist angesichts der überlieferten Zauberformeln so gut wie sicher.

Den Gesang des Blutsegens fand man im Altindischen wieder [1], woraus man den Schluss ziehen kann, dass eine bestimmte Gesangsform auch dem indogermanischen Kulturkreis zugesprochen werden muss.

Zauberlieder wurden von einer oder mehrere Personen vorgetragen, so waren es z.B. beim raddlið (einer Gesangsgefolge) laut der altisländischen Örvar-Odds saga (13. Jh.) 15 Knaben und 15 Mädchen (Tänze oder Aufzüge mit magischem Text, Zauberleiche - 'Zaubertänze', sind allerdings nicht klar bezeugt). Diese sog. varðlokur waren Lieder, die die Geister herbeiziehen, einschließen und festhalten sollten [2].

Etymologie

Ursprüngliches ein rein germanisches Wort für "singen", das sonst in keiner Sprache vertreten war, ist das ahd. galan, kalan, ags. galan - 'Zaubergesang singen'; Carmen magicum pronuntiare (noch im westgerm. Nachtigall, wo das Wort ebenfalls mit Nacht verbunden ist); ahd. und as. gala (cala) ist die 'Sängerin, Zaubersängerin', ahd. galstar (calstar) der 'Zaubergesang', incanlatio, sacrificium, ahd. calari, galstrari, incantator, ags. galdor und an. galðr - 'Zaubergesang'.

Wichtige Ausdrücke für die besonderen Gattungen der Zauberlieder sind das anord. valgaldr - 'Totenerweckungszauber' und das ahd. hellirúna - 'necromantia' (vgl. ae. helrúne - 'pythonissa' = haljaruna (Jord. c. 24). Die gemeingermanischen Ausdrücke galan, galdr; nord. lióð, nord. bæn . - 'Bitte' (aengl. bén) wird auch gebraucht von einem Beschwörungslied: bæn Buslu (Eddica Minora. S. 126). Vgl. auch forbæn - 'Verwünschung'. Das nord. Seiðr (zu lit. saitas - 'Zeichendeuter'?) geht nicht speziell auf die Worte, den Vortrag.

Beispiele

Neben den Merseburger Zaubersprüchen und dem englischen Segen gegen den Hexenstich bestehen andere altdeutsche und altenglische Beispiele nur aus einer breiter ausgeführten magischen Formel. Bisweilen ist es Prosa, die nur an gehobenen Stellen, zum Teil mitten im Satz, in den Vers übergeht, oder kurze prosaische Auftakte treten vor den Vers. Auch der innere Versbau zeigt Besonderheiten (u. a. leichte Füllungen wie: sæt smið, | slóh seax lýtel; út, spere, | næs in, spere), die den epischen Regeln gegenüber archaisch sind. Den Stil zeichnen Satzgleichlauf, Anaphern und Zeilenstil aus.

Merseburger Zaubersprüche

Von den bewahrten Vertretern sind die nach Inhalt, nicht Aufbau altertümlichsten die zwei Merseburger Zaubersprüche. Sie haben die bezeichnende Zweiteiligkeit: einen erzählenden Eingang im Praet., der einen Präzedenzfall mit dem Eingreifen mythischer Wesen vorführt und die damals geübte Wirkung herbannen soll; dann die authentische Formel, imperativisch, zum Teil verballos.

Hexenstich

Von den englischen Zaubersegen hat der gegen Hexenstich [3] eine vergleichbare Anlage zu den Merseburger Zaubersprüchen. Doch sind die mythischen Wesen hier die schädigenden, denen der Zauberkundige erfolgreich entgegengetreten ist, und die befehlende Formel: "út, lýtel spere, | gif hér inne síe!" wird dreimal eingeschaltet.

Altisländische Beispiele

Die altisländische Literatur hat auffallenderweise keine derartigen Stücke von Zauberliedern. Sie zeigt stattdessen in Prosawerken halbmetrische Verwünschungen in freierer Widergabe [4], eine skaldisch stilisierte Herabrufung des Götterzorns (Egils saga, c. 56, 91), in Gedichten sagenhaften Inhalts poetisch ausgebaute Verfluchungen (bes. Skirnismal 26 ff., Buslubœn), und schließlich Strophenreihen mit Inhaltsangabe von Zaubersprüchen, wobei die authentische Formel zuweilen erratbar ist (die 'lióðatǫl', Edda S. 62. 338).

Quellen

Einzelnachweise

  1. Scherer: Geschichte der deutschen Literatur, Berlin 1880. S. 15
  2. Eirikssaga rauda K. 4; Örvar-Odds saga S. K. 2
  3. Bibliothek der angelsächsischen Poesie (Internet Archive). Christian Wilhelm Michael Grein, Richard Paul Wülker. Kassel : G. H. Wigand, 1883 ff. Bd. I, S. 317
  4. Eddica Minora. S. IC

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