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Das Zeitgedicht gehört zur Gesellschaftslyrik als Gattung der altgermanischen Dichtkunst. Während sie bei den Römern bekannt waren, erscheinen diese normalerweise eher kurzlebigen Texte auf germanischer Seite vermehrt erst mit dem Hochmittelalter als Tanztexte. Eine Art des Zeitgedichtes ist das (höfische) Loblied und dessen Variante als Elegie (elegisches Zeitgedicht, Klagelied).

Beschreibung

Zeitgedicht waren normalerweise sehr kurzlebige künstlerische Ergüsse, meistens in Form von Preisgedichten (Lobliedern). Vereinzelt jedoch verlieh ein ungewöhnlich eindrucksvoller Inhalt oder andere, besondere Umstände einem Zeitgedicht die Dauer und Verbreitung, wie sie im Allgemeinen nur Heldenliedern zuteil wurde. Viele nur bruchstückhaft überlieferte Stücke, deren genauer Inhalt nur unbestimmt angedeutet wird, schwanken in ihrer Einordnung zwischen Zeitgedichten, Merkversen und Heldenliedern.

Ob diese Gattungen in ihrem lebendigem Dasein nicht auch häufiger ineinander verflossen, ist die nächste Frage: die bewahrten vollständigen Stücke kann man jedoch meistens klar aufzuteilen. Am meisten Ähnlichkeit hatte das Zeitgedicht mit dem chorischen Preislied: man vergleiche etwa den 'Tod Eadweards' in den Angelsächsischen Annalen mit Attilas Totenklage bei Jordanes.

In der Pflege der Spielleute überlebte das Zeitgedicht, in lateinischen, deutschen, englischen und dänischen Versen, das alte Hofsängertum und drang in weitere Kreise. Zeitgedichte in Form von Spottliedern kamen durch das niedere fahrende Volk erst in Blüte.

Beispiele

Das alte Farolied ist ein Zeitgedicht aus dem 6. oder 7. Jh. Es wird ausdrücklich als Volkslied und Text von Frauenreigen bezeichnet und fällt in den romanischen Kulturbereich.

Das älteste Beispiel für ein germanisches Loblied als Zeitgedicht ist mgwl. Tacitus' Schilderung über Arminius (Ann. 2, 88): "Arminius... regierte 37 Jahre seines Lebens, war 12 Jahre an der Macht, über eine noch immer barbarische Nation." [1] Erkennt man diese Schilderung als Preislied an, dann träte es damit zu den altgermanischen, vor der Völkerwanderungszeit bestehenden, Kunstformen. Somit wäre im Fall von Arminius ein Zeitgedicht ausnahmsweis lange, drei Menschenalter, am Leben geblieben, während diese künstlerischen Produkte sonst eher mit ihrer Generation ins Grab sanken.

Ein gutes Beispiel für eine Elegie (das Klagelied) als Seitenast des Lobliedes bietet Prokopios von Caesarea im 6. Jh. in seinem Bellum Vandalicum (BV. 2, 6) von dem ausgehungerten Wandalenkönig Gelimer (a. 533). Es ist das vorbedachte Lied eines kunstbegabten Mannes; der Inhalt ist das eigene Erlebnis; ein elegisches Zeitgedicht, gemischt aus erzählenden und lyrischen Teilen.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Tacitus, "Ab excessu divi Augusti (Annales)". Digitalisat auf Wikisource (lat).

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