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Die einfachste Bestimmung der Zeit war die Einteilung in Tag und Nacht. Laut Tacitus (Germ. c. 11) rechneten die Germanen in Nächten, wobei die Nacht dem Tage voranging. - Ein Brauch, der sich lange hielt und bis in die Moderne hinein noch nicht völlig verschwunden ist. Auch die Unterscheidung in die zwei Jahreszeiten Winter und Sommer war weit verbreitet, wobei das Jahr mit dem Winter begann.

Beschreibung

Später gesellte sich der Frühling dazu (Tac. Germ. 26: "Winter und Frühling und Sommer haben Sinn und Benennung; des Herbstes Namen und Güter sind ihnen gleich unbekannt"). Der Begriff des Herbstes kam erst mit dem Obst- und Weinbau auf. Die Germanen beobachteten die Mondphasen und bestimmten nach Neulicht und Vollmond die Zeit ihrer Feste und öffentlichen Zusammenkünfte. Ebensowenig gab es einheitliche Namen für die einzelnen Monate. Erst Karl der Große wollte den 'Misständen' ein Ende bereiten und führte eine für sein Herrschaftsgebiet gültige deutsche Namensreihe ein (Einhard, Vita Karoli Magni c. 29). (s. Monate)

Jahresanfang

Der Jahresanfang war im Mittelalter nach Zeit und Ort sehr verschieden und war auch an denselben Orten und zu derselben Zeit nicht durchgängig derselbe, obwohl die Reihenfolge und Tagzahl der Monate immer dieselbe blieb. Bei den germanischen Völkern kommen folgende Jahresanfänge vor:

  • 1. Der 1. Januar. - Auch Zirkumzisionsstil genannt, da das Fest Circumcisio domini (Beschneidung des Herrn) auf den 1. Januar fällt. Er ist der normale Anfang des Julianischen Kalenders und gilt für den Anfang des Sonnenjahres. Er wird auch zur Berechnung des Mondalters für die Bestimmung des Osterfestes an der Frühlingsnachtgleiche benutzt. Als Jahresanfang mißfiel dieses Datum schon früh der Kirche wegen der ausgelassenen Lustbarkeiten, die mit der Feier der Kalendae Januariae verbunden waren. In Deutschland wurde dieses Datum nur sehr selten als Jahrensanfang genutzt, wogegen es bei den Westgoten ausschließlich vorherrschte.
  • 2. Der 1. März. - Dieser Gebrauch herrscht bei den Franken, Alemannen und Langobarden. Bei den Franken hängt er mit ihrer großen Reichsversammlung, dem Märzfeld, zusammen, welches am 4. März abgehalten wurde. Bald nach der Umwandlung des Märzfeldes in ein Maifeld (755) scheint dieser Jahresanfang abgekommen zu sein.
  • 3. Der 25. März. - Der Tag der Mariae Verkündigung (Annunciatio S. Mariae, daher die Bezeichnung Marienjahr oder Annunziationsstil). Bei den germanischen Völkern kommt von den beiden Formen des Annunziationsstils nur der sog. Calculus Florentinus ('Florenzer Berechnung') vor, wonach das Jahr zwei Monate und 25 Tage später anfängt als nach der heutigen Rechnung. Dieser Jahresanfang wurde auch in einigen nördlichen Gegenden Deutschlands gebraucht, herrscht dann aber besonders im Erzstift Trier und seinen Suffraganbistümern Metz, Toul und Verdun. Er wird daher auch stilus Treverensis oder mos Treverensis genannt, im Gegensatz zu dem stilus Moguntinus, der mit dem 25. Dezember beginnt. Außerdem kommt er seit dem 11. Jh. sporadisch in England vor, wo er später allgemeine Herrschaft erlangte und erst 1751 abgeschafft wurde.
  • 4. Ostern - Paschalstil. Diese französische Sitte kommt in den Niederlanden, in Köln und in einem Teile von Westfalen vor, sowie in der romanischen Schweiz. Da Ostern ein bewegliches Fest ist, so gab es in den Ländern, die ihr Jahr auf diese Weise begrenzten, lange und kurze Jahre, Jahre, in denen gewisse Monatstage fehlten, und andere, in denen dieselben Monatstage zweimal vorkamen. Zur Unterscheidung der doppelten Tage bezeichnete man die erste Reihe durch den Zusatz nach Ostern, die zweite den Zusatz vor Ostern. Seiner Unzweckmäßigkeit wegen ist der Osteranfang in Deutschland fast überall schon zu Anfang des 14. Jhds. abgeschafft worden.
  • 5. Der 25. Dezember - Weihnachten. Weihnachts- oder Nativitätsstil. Dieses ist der in Deutschland beliebteste Jahresanfang, nachdem er im fränkischen Reich nach dem Aufhören der Märzfelder durchgedrungen war. Auch die kaiserliche Kanzlei bediente sich seiner in den weitaus meisten Fällen. Ausschließlich herrschte er in den skandinavischen Ländern und, abgesehen von den oben angegebenen Ausnahmen, bei den Angelsachsen. [1]

Mondjahr

Schon vor ihrer Christianisierung kannten die Germanen ein gebundenes Mondjahr, wie aus dem von Beda Venerabilis (De temporum ratione c. 15) mitgeteilten Kalender der Angelsachsen hervorgeht. Obwohl sie das Jahr eigentlich nur in Winter und Sommer mit je 6 Monaten einteilten (im Schaltjahr hatte der Sommer 7 Monate) und den Winter mit dem Wintirfyllith (10. Monat) begannen, kannten sie auch die Einteilung des Jahres in 4 Jahreszeiten mit je 3 Monaten.

Wochen

Während der Völkerwanderungszeit (im 4./5. Jhd.) entstand bei den germanischen Stämmen die Unterteilung in Wochen und Wochentage. Das Wort dafür war got. wikó, ags. wien, ahd. wécha und wëhsal; es bedeutet 'eine Ordnung', bzw. 'einen regelmäßig wiederkehrenden Wechsel' und bezeichnete wahrscheinlich zuerst die Zeit zwischen Neu- und Vollmond und umgekehrt [2].

Dabei ersetzten sie die von den Römern übernommenen Tage mit den Namen der Planetengötter (Dies Solis, Martis, Mercurii, Jovis, Veneris, Saturni) durch die Namen ihrer eigenen Götter, die sie mit den betreffenden römischen identifizierten. Nur den Namen des Saturn behielten sie bei, weil diesem kein germanischer Gott zu entsprechen schien. Da jedoch die Einführung der Woche nicht überall gleichzeitig erfolgte, so sind die Namen der einzelnen Tage mehrfach bei den verschiedenen Stämmen verschieden. (Vgl. Wochentage).

Jahreszählung

Die einzelnen Jahre wurden von den Germanen in der Regel nach den Regierungsjahren der Kaiser, der einheimischen Könige und Dynasten, in Urkunden auch nach denen der Erzbischöfe, Bischöfe usw. bezeichnet. Eine Ausnahme machen die Westgoten in Spanien, welche ihre Jahre vom 1. Januar 38 v. Chr. an zählen und ihnen das Wort Era vorsetzten... Weiterlesen.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Hoops, J. aao. Bd. II, S. 611. F. Rühl.
  2. K. Weinhold, Über die deutsche Jahrteilung (Beluga, Uni Hamburg). Kiel, 1862. Akad. Rede vom 6. Okt. 1862 an der Christian-Albrechts-Universität. Zugleich in: Schriften der Universität Kiel, Bd 9, 1862, VI,3. S. 10

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