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Schon Tacitus erwähnte das Bemalen einzelner Wandteile als germanische Sitte der Zimmerausstattung (Germania 16) [1]. Diese Aussage wird durch spätere althochdeutsche und angelsächsische Zeugnisse bestätigt. Den Hauptschmuck der Wand bildete aber der Behang durch Teppiche (wantlahhan); besonders der hinter den Sitzbänken befindliche Wandteil wurde damit bekleidet (ruckilahhan = ags. hrycg-hraegl).

Beschreibung

Tür- und Fensterbehänge samt Vorhängen für die Teilung eines Gemaches werden bereits früh als Teil der germanischen Zimmerausstattung erwähnt. Auch Holzschnitzereien fehlten zumindest in den besseren Häusern nicht. [2]

Skandinavien

In Skandinavien wurden die Innenräume der Häuser mit reichhaltigen Schnitzereien verziert. Die Motive waren meist stilisierte Tierformen und verschlungene Bandornamentiken, zum Teil bunt bemalt. Schon das Inventar des Osebergschiffes zeigt eine reiche Ornamentierung. Bekannt sind die geschnitzten Türflügel norwegischer und isländischer Kirchen aus dem 11. Jhd. Aber auch die Wohnstube war reich an solchen Ausschmückungen. Die Säulen, besonders die heiligen ǫndvegissúlur, die Wandtäfelung sowie die Möbel waren häufig mit geschnitzten und gemalten Bildern (skript, von skrifa - 'bemalen') versehen, die teils Götter und Heroen, teils ganze Mythen oder geschichtliche Begebenheiten darstellten. Der dabei benutzte Farbstoff hieß steinn (vgl. ags. stánwurma, 'mineralischer Farbstoff').

Bei feierlichen Anlässen wurden die Wände mit Teppichen (anord. búnaðr, tjald, refill) behängt, die aus kostbaren Stoffen (guðvefr, silki) bestehen konnten und oft mit gestickten oder eingewebten Bildern verziert waren (byrða = ags. byrdan, borði - 'gewirkter Teppich' = ags. borda - 'Besatz'). Solcher Art war der im Gudhrunarkvidha (II, 14-16) geschilderte Teppich, auf dem eine Seeschlacht mit Goldfäden dargestellt wurde (gullbóka, von bók - 'in verschiedenen Farben gewirkter Teppich,' wohl nach den Buchmalereien der Angelsachsen und Iren, vgl. ags. bócréad - 'karminrot'). Diese Art der Kunst erlernten die Skandinavier möglicherweise von den Angelsachsen, unter denen solche Stickereien aus dem 10. und 11. Jhd. erwähnt werden und einen gesuchten Handelsartikel bildeten. An den Wänden hingen auch Waffen, besonders die bunt bemalten Schilde. [3]

England

Wie die Skandinavier, so legten auch die Angelsachsen auf die Ausschmückung ihrer Wohnungen großen Wert. Der Mönch Byrhtferth von Ramsey (im 11. Jhd.) beschließt seine Beschreibung des Hausbaus mit den Worten: and sypþan þæt hús wynsumlíce gefrætwaþ (frætwian - 'mit Verschlingungen verzieren'). Besonders beliebt waren stilisierte Tierformen, die sich in Bänder auflösen. Solchen Schlingwerk, das in den Miniaturmalereien oft dargestellt wird, fand sich an den inneren Wänden der Halle (weall wyrmlícum fáh). Der Hochsitz der Könige war - nach einer Zeichnung zu einem Kalendarium vom 11. Jhd. - kunstreich geschnitzt; sein Sitzbrett hielt auf der einen Seite eine Eber-, auf der anderen eine Hundegestalt. Wie in Skandinavien, wurden in England die Wände mit Tierfellen oder mit Teppichen dekoriert. Schöne, mit Gold durchwirkte Tapeten erglänzten in der Halle Heorot (goldfáh scinon webb aefter wágum, Beowulf 995 f.). An den Wänden hingen als Zimmerschmuck über dem Sitz jedes Kriegers seine Waffen.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus"'. Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  2. Die textile innendekoration des frühmittelalterlichen deutschen hauses und die ältesten Stickereien Pommerns (Open Library). Gustav Stephani. Halle, 1898
  3. V. Gudhmundsson. Privatboligen paa Island. S. 150 f.

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