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Kastell Zugmantel

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Das Kastell Zugmantel ist ein ehemaliges römisches Kohortenkastell an der westlichen Taunusstrecke des Obergermanischen Limes, der seit 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes besitzt. Das obertägig im Gelände noch sehr gut wahrnehmbare Bodendenkmal befindet sich in einem Waldrandgebiet von Taunusstein-Orlen im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis. [1]

Beschreibung

Das Kastell Zugmantel liegt am obergermanischen Limes im Westlichen Taunus und diente als Schutz des großen militärischen Aufgebotes der Römer im Lorsbacher Tal (jetzt Frankfurt-Limburger Bahn) zwischen Main und Lahn. Im 1. Jh. wurde es am südlichen Ausgang durch das Kastell Hofheim geschützt (Obergermanisch-Rätischer-Limes, Nr. 29), das mit dem Bau des Limes aufgegeben wurde, als der Schutz des Reiches in die vordere Linie rückte. Nunmehr sicherten die Kastelle Zugmantel westlich und Alteburg-Heftrich östlich den breiten Paß, ersteres wurde gleichzeitig Deckung des römischen Wiesbaden im Taunus an der dort hinabführenden alten „Hünerstraße".

Aufbau

Das Kastell liegt aus unbekannten Gründen mit der Breitseite parallel zum weitabliegenden Pfahlgraben, sein Platz war außer durch den Knotenpunkt alter Straßen durch die Quelle des Flüßchens Aar (ahd. Ahrde) bestimmt. Der Zugmantel hat dieselben 3 Perioden wie die übrigen Taunuskastelle wie er auch in den Einzelheiten dem üblichen Kastellschema entspricht (s. Saalburg bei Homburg). Gleichgroßes quadratisches Erdkastell wie dort, schmales Steinkastell mit schwacher Wallmauer (171,60 X 99,10), vielleicht mit hölzernem Wehrgang, das später auf 124,73 m verbreitert und verstärkt wird. Letzteres wahrscheinlich 223 n. Chr. unter Severus Alexander wiederaufgebaut. Spuren einer Besetzung sind allerdings bereits im 1. Jhd. vorhanden. Eine ältere germanische Anlage ist vielleicht östlich am "Galgenköppel" zu suchen.

Die Innenbauten mit Ausnahme des Prätoriums sind nicht mehr vorhanden, dagegen zahlreiche (bereits über 280) unterkellerte Einzelwohnungen inner- und außerhalb des Kastells, welche (besonders die späteren) die Vermutung nahelegen, dass die bürgerliche Niederlassung einmal über das ganze Kastell hinweggegangen sei. Eine Eigenheit des Zugmantels sind Erdwohnungen mit Holzwänden, Bänken an den Seiten und Kochplatz in der Mitte, sicher nach einheimischem Vorbild, wie sie bereits von steinzeitlichen Häusern bekannt sind. Was dazu Veranlassung gab, ist noch nicht nachgewiesen, möglicherweise waren sie nur in dem zerklüfteten, wasserdurchlässigen Schieferboden. Von ähnlichen, heute noch in den Donauländern benutzten Anlagen sprechen Tacitus (Germania 16) und Plinius (Nat. Hist. 19, 18).

Bezeichnung

Der merkwürdige, auch im östlichen Deutschland Vorkommende, hier allerdings nicht bodenständige Name "Zugmantel", früher richtiger Zuckmantel, ist neueren Datums. Nach Dr. Brenner (Saalburgjahrbuch 1910) dürfte er mit zucken, zücken - 'entreißen, rauben' zusammenhängen und einen Ort bezeichnet haben, wo sich allerlei Gesindel umhertrieb. Der alte Name der ausgedehnten Siedlung ist noch nicht gefunden, wenn er nicht in einer Bronzeinschrift der Mater Virolovicium zu suchen ist. Die Besatzung bildete eine Kohorte (I oder III) der Treverer (Numerus Treverorum).

Umland

Die Niederlassung mit drei Friedhöfen, zahlreichen Einzelgehöften (charakteristisch das Vorkommen sehr langer, schmaler (1:4), bis 40m langer, umfriedigter Anwesen mit Keller vorn und Wirtschaftsräumen hinten im Hofe) ist sehr ausgedehnt. Auch das Heiligtum einer sitzenden (einheimischen?) Gottheit wurde ausgegraben. Die Hinterlassenschaft an Einzelfunden, besonders aus dem 3. Jhd. ist sehr bedeutend, da der Zugmantel um die Mitte dieses Jhrds. im Sturm genommen, im Gegensatz zur Saalburg bei Homburg von der Besatzung unter Hinterlassung eines großen Teils der Habe geräumt sein muß. Auffallend viel germanische Funde gab es von der einheimischen Bevölkerung. Die Funde sind im Saalburgmuseum untergebracht und die Ausgrabungsresultate im Jahrbuch des Museums veröffentlicht.

Quellen

  • Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. Nr. 8: Kastell Zugmantel, mit 30 Tafeln, bearbeitet v. Louis Jacobi, die Kleinfunde v. W. Barthel. Saalburg-Jahrbuch 1910-13.

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Kastell Zugmantel

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